Ehrenautorenschaft – sie ist hier!

Mit Ehrenautorschaft (englisch honorary authorship, guest authorship oder gift authorship) bezeichnet man die Nennung einer Person als Autor, ohne dass diese einen nennenswerten Beitrag zu der Veröffentlichung beigetragen hat. (Wikipedia, Stand: 20.09.2012)

Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat die Kommission „Selbstkontrolle der Wissenschaft“ in den Vorschlägen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis bereits 1998 festgelegt:

„Als Autoren einer wissenschaftlichen Originalveröffentlichung sollen alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, firmieren, die zur Konzeption der Studien oder Experimente, zur Erarbeitung, Analyse und Interpretation der Daten und zur Formulierung des Manuskripts selbst wesentlich beigetragen und seiner Veröffentlichung zugestimmt haben, d. h. sie verantwortlich mittragen.“

Oftmals habe ich diese Praxis anders erlebt. Um es klar zu sagen: Ehrenautorschaft ist eher die Regel als die Ausnahme in meinem Gebiet. Ich habe Professoren erlebt, die ihre Doktoranden generell „gebeten“ haben, sie als Co-Autoren auf Papers zu setzen, oder die einfach am Ende nochmal kurz drübergeschaut haben und ihren Namen draufgeschrieben haben, obwohl sie kaum vom Inhalt wussten. Ich selbst habe mit einem Doktorand einer anderen Arbeitsgruppe zusammengearbeitet, und am Ende bat mich der Doktorand, seinen Betreuer mit auf die Arbeit zu nehmen, da er ja bald promovieren wolle.

Natürlich verschaffen sich die Ehrenautoren einen unfairen Vorteil beim Wettbewerb um Stellen und Gelder. Keiner gibt das natürlich zu. Beliebte „offizielle“ Argumente von Professoren, ihren Namen trotz eines geringes oder sogar gar keines Beitrages dennoch auf einer Veröffentlichung zu platzieren, sind sinngemäß:

  • „Ich habe das Projekt akquiriert, von dem Sie bezahlt werden und das diese Forschung erst möglich macht“.
  • „Ich habe doch die Projektidee gehabt, das ist mein intellektueller Beitrag“
  • „Sonst zählt das in den Statistiken/Rankings nicht für die Veröffentlichungen der Universität.“

Keiner der Punkte rechtfertigt die Autorenschaft. (Ironischerweise hat im Fall des zweiten Arguments meistens sogar ein ehemaliger Doktorand tatsächlich die Projektidee ausgearbeitet; das System erhält sich eben selbst.) Speziell zum ersten Punkt, der Projektakquise, bezieht die DFG-Empfehlungen klare Stellung:

„Mit dieser Definition vor Autorschaft werden andere – auch wesentliche – Beiträge wie
-Verantwortung für die Einwerbung der Förderungsmittel,
– Beitrag wichtiger Untersuchungsmaterialien,
– Unterweisung von Mitautoren in bestimmten Methoden,
– Beteiligung an der Datensammlung und -zusammenstellung,
– Leitung einer Institution oder Organisationseinheit, in der die Publikation entstanden ist,
für sich allein nicht als hinreichend erachtet, Autorschaft zu rechtfertigen.“

DFG-Projekte verlangt schon bei der Einreichung eines Antrages die Einhaltung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis (siehe beispielsweise das Merkblatt für Sachbeihilfeanträge) und droht sogar mit Rückforderung der Mittel.

Warum gibt es dann die Ehrenautorenschaft? Weil sie ist fast nicht nachweisbar ist. Wie soll man von Außen beurteilen, wie der Beitrag eines einzelnen Autoren ist? Selbst als Co-Autor ist es für mich schwierig, zu beurteilen, wie eng beteiligte Doktoranden anderer Gruppen mit ihrem Betreuer zusammengearbeitet haben. Der Doktorand schweigt meistens, entweder weil er es nicht besser weiß, oder aber schlichtweg aus Angst. Und andere Professoren würde ja niemals ihren Kollegen darauf ansprechen, entweder weil sie auch in gewisser Abhängigkeit des Lehrstuhlinhabers sind, oder weil sie selbst auch von diesem System profitieren. Es ist nicht die Höhe der Strafe, die abschreckt, sondern die hinreichend große Aufklärungsquote (siehe Bericht im Tagesspiegel).

Die Selbstkontrolle hat versagt. Lösungen? Ich weiss es nicht. Solange machen wir einfach so weiter, täuschen nach außen die „reine Weste“ der Wissenschaft vor, und erhalten nach innen ein korrputes System. Exemplarisch dafür ist das Verhalten der DFG. Sie lässt den Antragsteller die Verpflichtung zur Einhaltung der Regeln unterschreiben. Das war’s. Nachgefragt wird nicht. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem Ehrenautorenschaft zur Rückforderung von DFG-Mitteln geführt hätte. In der Regel sind es falsche und leichter prüfbare Angaben zu Veröffentlichungen, wie im Fall des Göttinger Skandals, die zu Strafen führen.